Werkstattrat: Interview mit Birgit Rittenauer
„Was ich begriffen habe, kann ich auch bearbeiten“„Was ich begriffen habe, kann ich auch bearbeiten.“ So formuliert es die 38jährige Birgit Rittenauer. Sie wurde im Oktober 2005 am Standort Bad Friedrichshall zur Ersten Vorsitzenden des Werkstattrates gewählt. Gut hat sie es sich überlegt, nachdem sie bereits im Beirat die Arbeit kennen gelernt hatte. Schon am Ende der Wahlperiode hatte sie die damalige Erste Vorsitzende vertreten, nachdem diese in ein Praktikum auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt übergewechselt war.
Marlene Maurhoff hat Birgit Rittenauer gefragt, wie sie ihre Tätigkeit im Werkstattrat erlebt.
Was heißt es, Werkstatträtin zu sein?
Rittenauer: Für Kollegen da zu sein. Ideen zu haben oder entgegenzunehmen. Zu helfen, wenn Probleme zu lösen sind.
Was muss man da alles machen?
Rittenauer: Büroarbeit. Dazu muss man schreiben und lesen können. Zuhören. Vorschläge machen. Absprachen treffen.
Wie kommen Sie mit den vielen Aufgaben zurecht?
Rittenauer: Gut. Aber manchmal brauche ich die Unterstützung von Begleitpersonen.
Was brauchen Sie, damit alles klappt?
Rittenauer: Interesse. Geduld. Hintergrund-Informationen. Verhandlungsgeschickt und Organisationstalent.
Wie lernen Sie das alles?
Rittenauer: Ich nehme meine Arbeit immer wichtig. Wenn ich etwas nicht weiß, frage ich nach. Ich mache mir Gedanken darüber, wie man die Ergebnisse aufschreiben oder malen kann. Ich bewahre alle Unterlagen sorgfältig in entsprechenden Ordnern auf. Dann finde ich auch wieder, was ich suche. Außerdem gehe ich zu Messen und Informations-Veranstaltungen.
Was ist Ihnen schwer gefallen?
Rittenauer: Denen, die bei der Wahl nicht genügend Stimmen bekommen haben, Mut zu machen, weil sie enttäuscht waren. Es wird ja alle vier Jahre wieder gewählt. Vielleicht schaffen sie es das nächste Mal.
Was haben Sie schon erreicht?
Rittenauer: Das Tablett-Service beim Essen wurde eingeführt. Jeder holt sich seine Mahlzeit selbst an der Theke ab und wählt seinen Sitzplatz frei aus. Nur die Gehbehinderten bekommen ihr Essen auf eine Wärmeplatte immer am gleichen Platz gestellt. Der Speisesaal heißt jetzt „Kantine“. Das finde ich wichtig. Außerdem wurde der Kiosk-Verkauf von Getränken, Eis, Süßigkeiten und jetzt auch von Kaffee eingeführt. Demnächst wollen wir einmal pro Woche belegte Brötchen anbieten. Für alles werden eigens für den Kiosk entwickelte Bons verkauft, denn manchen meiner Kollegen fällt der Umgang mit Geld schwer. Das Ganze muss sorgfältig durchdacht und geplant sein. Außerdem wurde die Öffnungszeit des Standortes geändert. Die Werkstatt Bad Friedrichshall ist jetzt bereits morgens ab 7.10 Uhr geöffnet.
Was hat Ihnen bislang am meisten Spaß gemacht?
Rittenauer: Zu lernen, dass man selbständig wird. Auch der Erste-Hilfe-Kurs mit Kollegen und Senioren aus der Nachbarschaft. Bei denen sind wir auch einmal wöchentlich zum Spiele-Nachmittag gewesen, und jeden Monat zum Gottesdienst zu Gast. Auch Kochen und Backen macht Spaß, und Besichtigungsfahrten, zum Beispiel in Kirchen.
Was wollen Sie noch erreichen?
Rittenauer: Einmal monatlich gibt es eine Besprechung zum Thema „Kiosk“. Dann wird auch der Dienstplan erstellt: Wer macht was an welchem Tag. Beim Gottesdienst am Morgen sind neue Ideen gefragt, nachdem Herr Frank mit seiner Gitarre nicht mehr dabei ist. Was könnten wir da selbst gestalten mit Gesang, Projektion von Bildern, Tänzen, Musik, life oder von der Cassette? Daran wollen wir arbeiten.
