Beschützende Werkstätte Heilbronn startet Modellprojekt „Außenarbeitsplätze“

 

Arbeit als Beitrag zur Stärkung der Selbstständigkeit

AußenarbeitsplätzeMit einem neuen Partner-Konzept vergrößert die Beschützende Werkstätte Heilbronn die Chance ihrer behinderten Mitarbeiter auf einen dauerhaften Arbeitsplatz in Unternehmen der freien Wirtschaft. Am 1. April 2006 begann das Projekt „Außenarbeitsplätze“. Ziel ist die Integration in Firmen und damit die Förderung der Selbstständigkeit. Über 100 Arbeitsplätze werden angestrebt; in diesem Jahr sollen es zunächst zwölf sein. Die Zustimmung aus Unternehmen der Region Heilbronn-Franken ist viel versprechend, wie Beate Haug-Karr, Leiterin des Bereiches Förderung, Bildung und Soziales der Beschützenden Werkstätte, jetzt schon feststellen kann.

Das Modellprojekt will die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsleben ermöglichen, für den 1. Arbeitsmarkt „fit machen“ und damit „Normalität“ im Alltag als Teil erfolgreicher Integration schaffen. Die Veränderung der Kostenträgerlandschaft, aber auch Neuerungen wie das „persönliche Budget“ haben die BW-Verantwortlichen veranlasst, diesen zukunftsorientierten Weg zu gehen. „Auch wenn die Arbeitsmarktsituation insgesamt schwierig ist, nehmen wir die Aufgabe sehr ernst, Menschen mit Behinderungen auch die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Jeder einzelne Arbeitsplatz ist dabei ein Riesenerfolg und spornt uns zu weiteren Bemühungen an“ sagt Pfarrer Rainer Hinzen, Vorstand der Beschützenden Werkstätte.

Dieses Integrations-Konzept erfordert viele Begleitmaßnahmen. Das fängt bei der Analyse der individuellen Fähigkeiten an, mündet in Qualifizierungsmaßnahmen und bedeutet Begleitung über lange Zeit. Kontakte mit der Familie sind dabei ebenso wichtig wie mit Werkstattleitern. Immerhin bedeutet der Außenarbeitsplatz eine Umstellung der Lebensgewohnheiten von Arbeitszeiten über das persönliche Umfeld bis zur Mobilität und dem Umgang mit „überlegenen“ Kollegen.

Mit Hagen Kramer (40) hat die Werkstätte einen in Berufsbildung, Sozialpädagogik und Qualifizierung erfahrenen Mann für die Kontakte mit Betroffenen, Angehörigen, Werkstattleitern und Unternehmen im „Außendienst“. Der Heilbronner bringt Erfahrungen aus europäischen Projekten, mit dem Integrationsfachdienst und von der Agentur für Arbeit mit.

Alle Kostenträger saßen bei der Entwicklung des Konzepts mit am Tisch. Beate Haug-Karr: „Wir haben mit allen einen guten Konsens gefunden.“ Das bestätigen die Beteiligten wie Willi Frank (Fachdienstleiter Soziale Sicherung, Landratsamt Künzelsau), Karl Weingart (Stellvertretender Leiter des Amtes für Sozialwesen, Landratsamt Schwäbisch Hall), Manuela Roth (Sozialplanerin des Landkreises Heilbronn) und Achim Bocher (Abteilungsleiter beim Amt für Familien, Jugend und Senioren der Stadt Heilbronn). Sie bescheinigen, dass solche in eine positive Zukunft weisende Projekte mit Integrationscharakter im Interesse unserer Gesellschaft wünschenswert und beispielhaft sind.

Wichtig ist jetzt die Bereitschaft unternehmerischer Partner, geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen oder durch Arbeitsteilung zu schaffen. Durch die vielen Arbeitsbereiche in den Werkstätten bringen die Mitarbeiter eine Vielzahl von Fähigkeiten mit. Eine Firma in Kupferzell hat damit schon gute Erfahrungen gemacht. „Jeder Mitarbeiter draußen ist eine Visitenkarte für unsere Arbeit“, ist sich Beate Haug-Karr der Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter sicher. „Das Konzept hilft auch, das Bild des behinderten Menschen in der Öffentlichkeit zu verändern.“

Das künftige „Heilbronner Konzept“ hat Modellcharakter und sieht vor, dass Aufträge, die teilweise in den Werkstätten ausgeführt wurden, jetzt von Werkstatt-Mitarbeitern in den Firmen abgewickelt werden. Es ist auf drei Jahre angelegt; zwei davon bleiben die Mitarbeiter BW-Beschäftigte.