Dank bundesweit einmaligem Projekt bekommen acht Schützlinge als IHK-geprüfte Fachhelfer der Gastronomie Chancen im Arbeitsmarkt
„Wir sind sehr dankbar, dass wir so viel gelernt haben“
Als wichtiges Projekt unter ihren Förder-Projekten sieht die Landesstiftung Baden-Württemberg den Gastronomiekurs der Beschützenden Werkstätte Heilbronn. Für die acht Absolventen, die jetzt in einer Feierstunde ihr IHK-Zertifikat entgegennahmen, eröffnet das bundesweit einmalige Bildungsprojekt für die Integration Behinderter in gastronomische Berufe neue Chancen im Arbeitsleben.
Eine Projektteilnehmerin wurde schon während des Kurses in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Zwei Teilnehmer beginnen ab August ein Praktikum in gastronomischen Betrieben in Öhringen und Ingelfingen mit voraussichtlicher Übernahme nach Abschluss, weitere zwei im Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau. Ein Teilnehmer tritt ab August eine feste Stelle in einem Neckarsulmer Hotel an. Eine Teilnehmerin wird ab September im Rahmen eines Außenarbeitsplatzes mit ihrer neuen Qualifikation in Schwaigern tätig.
Viele haben mitgewirkt, damit das „anspruchsvolle und begeisternde Projekt“ (so Pfarrer Rainer Hinzen, Vorstand der Beschützenden Werkstätte Heilbronn e.V.) möglich wurde: Neben der Landesstiftung waren es gastronomische Betriebe, die Praktikums-Chancen boten, und vor allem Beate Haug-Karr, die als Bereichsleiterin Förderung, Bildung und Soziales in der Beschützenden Werkstätte das neuartige Berufsbildungsangebot „geboren“ und mit ihren Mitarbeitern Annette Fleck und Florian Witt energisch umgesetzt hat: „Wir sind alle mit dem Projekt gewachsen, nicht nur die Auszubildenden.“
Vor über zwei Jahren begann das Modellvorhaben. Bei einem „Schnupper-Workshop“ in Küche, Service und Hotel im Café-Restaurant Pension Schoch in Mainhardt konnten Mitarbeiter mit Behinderung der Beschützenden Werkstätte Heilbronn herausfinden, ob sie sich in den Bereich Gastro beruflich umorientieren wollen.
Die Aufnahme in die zweijährige Förderung der Landesstiftung Baden-Württemberg war eine wichtige Etappe für das Projekt. So konnte aus einer dreiwöchigen Schulung ein zweijähriger Lehrgang mit Abschlusszertifikat werden.
Irene Kolb-Specht von der Geschäftsführung Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Baden-Württemberg e.V. bezeichnet für die Landessstiftung den Gastronomiekurs der Beschützenden Werkstätte Heilbronn ein wichtiges Projekt der im Rahmen des Projektes „Eingliederung ins Arbeitsleben“ geförderten 10 Projekte: „Da die herkömmlichen Leistungs- und Kostenstrukturen nicht ausreichen, um das selbst bestimmte Leben zu verankern, helfen die Stiftungen.“
Eigene Lehrpläne mussten, orientiert an den normalen Ausbildungsinhalten für Gastronomie und Hotellerie, erstellt und ständig weiter entwickelt werden, weil es nichts Vergleichbares gab. In fünf Bereichen wurde ausgebildet: Küche, Service, Wäscherei, Magazin/Lagerhaltung und Housekeeping. Haug-Karr: „Gerade der Dienstleistungsbereich eröffnet neben den klassischen Werkstatttätigkeiten eine große Chance.“
Neben der Theorie stand die Praxis in gastronomischen Betrieben der Region Heilbronn-Hohenlohe, darunter das Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau, wo Mitarbeiter der Beschützenden Werkstätte Restaurantgäste bedienten und den Zimmerservice für die Hotelgäste durchführten. Für die Praxis wurde die Selbstbedienungs-Cafeteria der Beschützenden Werkstätte in Heilbronn teilweise zum Bedien-„Restaurant“ umgestaltet.
Die acht Prüflinge - sechs Frauen und zwei Männer - sind begeistert bei der Sache. Jana Krüger: „Wir sind sehr dankbar, dass wir so viel gelernt haben.“ Aus der Hand der Prüfungsvorsitzenden Karin Göhler nahmen sie bei der Feierstunde in Böckingen ihre Zertifikate als „Fachhelfer der Gastronomie“ entgegen. Rainer Hinzen: „Es hat uns besonders gefreut, dass es möglich war, mit der Industrie- und Handelskammer Heilbronn ein Zertifikat zu entwickeln, das - mit einer Prüfung verbunden - den guten Kenntnisstand der Teilnehmer des Gastrokurses dokumentiert.“ Er wünscht sich jetzt, „dass sich die Mühe gelohnt hat, die Absolventen einen Arbeitsplatz finden und dass wir die erprobte Ausbildung weiterführen können“.
Die Gastronomie eigne sich für dieses Integrations-Vorhaben, wie während der Projekt-Phase und in der Praxis festgestellt wurde. Beate Haug-Karr: „Wir müssen diesen Menschen mehr zutrauen. Dann wachsen sie über sich hinaus. Die Stärke der Mitarbeiter ist: Sie können auf natürliche Art auf Menschen zugehen und sie haben ein freundliches Wesen. Das braucht man in diesem Dienstleistungsbereich.“
Die Absolventen sind im Restaurant- und Zimmer-Service bewandert. Als Team können sie für Veranstaltungen und Feierlichkeiten die kulinarische Versorgung von der Planung und Vorbereitung beispielsweise eines Buffets inklusive Ambiente und Service am Tisch übernehmen, wie sie in den vergangenen zwei Lehr-Jahren mehrfach bewiesen haben - unter anderem bei Messestand-Bewirtungen, Sommerfesten, Tagen der offenen Tür oder der Weihnachtsfeier des Lions-Club Heilbronn.
INFO LANDESSTIFTUNG
Die gemeinnützige Landesstiftung Baden-Württemberg ist nach eigenen Angaben „die einzige bedeutende Stiftung, die in außergewöhnlicher Themenbreite dauerhaft, unparteiisch und ausschließlich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger“.
Landesstiftung Baden-Württemberg
Bilder: Gerhard Schwinghammer
