Die Wirtschaftskrise macht aber vor den Toren der Beschützenden Werkstätten nicht Halt

Die Presse berichtete: Wirtschaftskrise kommt in Behindertenwerkstätten an

„Die Umsätze sind im Dezember im Schnitt um 20 Prozent zurückgegangen und auch im Januar und Februar auf dem Niveau geblieben“, sagt Pfarrer Rainer Hinzen, Geschäftsführender Vorstand der Beschützenden Werkstätte Heilbronn.

Etwa 1000 Behinderte arbeiten an sieben Standorten: Böckingen und Kirchhausen, Bad Friedrichshall und Talheim, Schwäbisch Hall, Crailsheim und Ingelfingen. 4,9 Millionen Euro Umsatz machten die Werkstätten vergangenes Jahr. Jetzt wirkt sich insbesondere die Krise der Automobilbranche aus.

Auch in der Evangelischen Stiftung Lichtenstern mit Sitz in Löwenstein. „Wir arbeiten für Zulieferer“, beschreibt Karl Schmeißer von der Arbeitsvorbereitung die Situation. Umsatzrückgänge registriert er zudem im Anlagen- und Maschinenbau. Die Einbußen seien vergleichbar mit denen der Beschützenden Werkstätte, bestätigt er die Entwicklung. 180 Behinderte sind bei der Stiftung Lichtenstern unter anderem in den Sparten Metallbearbeitung, Verpackungen und Montage beschäftigt. „Noch kriegen wir es gut gehandelt“, erklärt Rainer Hinzen.

Ist in den Werkstätten weniger zu tun, bleibt Zeit für Weiter- und Fortbildungen. Grundkenntnisse in Lesen und Schreiben werden verstärkt geübt. Schulungen in Arbeitssicherheit und Unfallverhütung oder Gabelstaplerkurse dienen der Qualifizierung. Die Hände in den Schoß legen wollen Behinderte nicht. Die aktuelle wirtschaftliche Situation beschäftigt sie. „Sie bekommen es von Eltern und Geschwistern mit, die Kurzarbeit machen“, sagt Hinzen. „Und sie machen sich Sorgen um ihre Familien.“ Dass die Einrichtungen nicht nur auf die Automobilbranche setzen, federt die Ertragseinbrüche ab. „Durch ein breites Spektrum an Tätigkeiten haben wir Möglichkeiten zum Ausgleich“, ist Rainer Hinzens Erfahrung.

Mit konjunkturellen Schwankungen umzugehen, ist nichts Neues für den Leiter der Beschützenden Werkstätte: „Am wirtschaftlichen Aufschwung in den zurückliegenden Jahren haben wir ja auch teilgehabt.“

Der Blick geht nach vorne. Hinzen hofft: Im Sommer läuft die Konjunktur wieder an. Verfestige sich dagegen die Wirtschaftsflaute, müssten Behinderteneinrichtungen, die stark von der öffentlichen Hand abhängen, mit härteren Einschnitten rechnen. Heilbronner Stimme 10. März 2009

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