Projekt „ZukunftsWerkstatt 2010“ der Beschützenden Werkstätte Heilbronn:
„Wir reden nicht nur, sondern wir sind bereit, uns zu verändern.“
Die Beschützende Werkstätte Heilbronn stellt die Weichen für die Zukunft. „Wir machen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen greifbar“, stellt Pfarrer i.E. Hans-Christoph Ketelhut, Geschäftsführender Vorstand der Beschützenden Werkstätte, fest: „Das Projekt ZukunftsWerkstatt 2010 ist für die strategische Ausrichtung der Einrichtung in der Region Heilbronn-Franken richtungsweisend. Wir werden zusammen mit den Menschen, die es betrifft, die richtigen Entscheidungen für die nächsten Jahrzehnte treffen.“
Wie wollen Menschen mit Behinderung in Zukunft arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen? Das wollte die Beschützende Werkstätte Heilbronn wissen. Dazu wurde ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg durchgeführt. Mit dem Zufallsgenerator ausgewählte 296 Mitarbeiter mit Behinderung, Bewohner und Betreute an den sieben Standorten in der Region gaben konkret Auskunft über ihre Visionen. Die Teilnehmerzahl hat statistisch eine hohe aussagekräftige Relevanz.
„Wir wissen natürlich aus langer Erfahrung, was unsere Mitarbeiter mit Behinderung und Bewohner für Wünsche haben“, sagt Pfarrer Ketelhut. Die ersten Erkenntnisse des Projektes hätten das abgesichert, aber auch neue Blickwinkel eröffnet: „Wir sind in der richtigen Richtung unterwegs.“ Die befragten Mitarbeiter sehen in der Beschützenden Werkstätte Heilbronn mehrheitlich ihren Wunsch-Arbeitsplatz. Fast zwei Drittel haben das bekundet. Nahezu die Hälfte hat den Wunsch, sich in der Freizeit freiwillig in Vereinen und Organisationen zu engagieren.

Dr. Stephanie Goeke, Evangelische Hochschule Ludwigsburg, bei der Befragung von Mitarbeitern.
Zentrale Ergebnisse zur Arbeitswelt
- 61,25 % der Befragten, die im Arbeitsleben stehen, sehen in der Werkstatt auch künftig ihren Arbeitsplatz. Ketelhut: „Für die restlichen fast 40 % werden wir wie bisher genau prüfen, ob sie für unsere Außenarbeitsplatz-Angebote in Frage kommen.“
- Ein Viertel der Mitarbeiter, die im Förder- und Betreuungsbereich arbeiten, möchten in der Werkstatt arbeiten. Ketelhut: „Wir werden eine intensivere Verknüpfung von Förderung- und Betreuungsbereichen mit den Werkstätten prüfen.“
- Ca. 25% der Befragten aus dem Werkstattbereich würden gerne auf einem Außenarbeitsplatz arbeiten. Dies betrifft insbesondere auf die Gruppe der jüngeren Mitarbeiter zu. Ketelhut: „Dass gerade die qualifizierten jüngeren Mitarbeiter in den regulären Arbeitsmarkt integriert sein wollen, bestätigt unser Konzept Außenarbeitsplätze, das wir gegebenenfalls ausweiten werden.“
- Veränderungswünsche bestehen bei ca. 30 % u.a. in Bezug auf Arbeitszeiten bis zur Teilzeit. Ketelhut: „Das erfordert die Entwicklung neuer Organisationsstrukturen.“
Zentrale Ergebnisse zum Wohnen
- Fast 60% der Befragten sehen sich künftig in veränderten Lebens- und Wohnformen. Dabei ist Wohnen in familienähnlichen Strukturen von besonderem Interesse
- Über ein Drittel der Befragten will in der bisherigen Wohnform weiter leben: 40% der Bewohner/innen im Wohnhaus, 36 % der Bewohner/innen in den Außenwohngruppen und 25% der BewohnerInnen, die bei Angehörigen wohnen.
- 28,7 % der Befragten möchten ihre zukünftige Wohnform in einer Partnerschaft verwirklichen. 38,5 % der Befragten haben bereits Partner. Darüber hinaus gibt es Wunsch-Wohnformen wie „Alleine Wohnen“ (7,8%), „mit Freunde/Freundinnen in Wohngemeinschaft“ (11,1%)/ oder mit Partner in WG (3%).
Zentrale Ergebnisse zur Freizeit
- 78% der Befragten haben ein Hobby, 26,7% möchten ein neues Hobby. Besonders attraktiv sind sportliche Aktivitäten, kreative Bereiche sowie Ausgehen.
„Uns zeigen die Ergebnisse, dass wir die im letzten Jahr von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierte UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen greifbar gemacht haben“, zieht Ketelhut Zwischenbilanz des Projektes: „Wir zeigen, dass die UN-Konvention mit den Menschen in unserer Region zu tun hat. Ihr großes Anliegen ist: Ich will selbstständig sein. Deshalb werden wir uns fragen: Was tun wir zusätzlich, damit die Menschen diese Freiräume haben? Wie können wir ihre Wünsche realisieren?“ Ketelhut kündigt an: „Wir reden nicht nur, sondern wir handeln und gehen das Thema offensiv an. Wir sind bereit, uns zu verändern.“ Für die angestellten Mitarbeiter gibt es zwei Informationsveranstaltungen am 29. November 2010 in Heilbronn und am 3. Dezember 2010 in Schwäbisch Hall. Ab Januar 2011 werden alle Mitarbeiter mit Behinderung und Heimbewohner sowie die Angehörigen an den sieben Standorten umfassend über die Ergebnisse informiert.
Für Pfarrer Ketelhut gibt es zwei Zielrichtungen. Nach innen sollen mit der „ZukunftsWerkstatt 2010“ Antworten auf Fragen gefunden werden wie: Wie sehen unsere Angebote künftig aus? Welche Konsequenzen gibt es für unsere Standorte? Andererseits ist für ihn wichtig: „Die Ergebnisse sollen auch einen Kommunikationsprozess mit unseren Mitarbeitern und Bewohnern auslösen und Anregungen für eine gesellschaftspolitische Diskussion geben.“ Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bieten für ihn „noch nicht in jedem Fall die geeigneten Voraussetzungen für notwendige Veränderungen“. Ohne geeignete Rahmenbedingungen könne die Beschützende Werkstätte aber nicht alleine Veränderungen zugunsten der Menschen mit Behinderung bewirken. Die Schaffung solcher Rahmenbedingungen sei eine gesellschaftliche Aufgabe.
Deshalb hat die Beschützende Werkstätte Heilbronn am 19. November 2010 mit Vertretern von Unternehmen und Öffentlicher Hand sowie sonstigen Multiplikatoren den „Dialog ZukunftsWerkstatt 2010“ eröffnet. „Die Beschützende Werkstätte ist ein modernes sozialwirtschaftliches Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken, von dem Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung die notwendige Unterstützung erhalten, um ihren Platz in Arbeitsleben und Gesellschaft beanspruchen zu können.“ So steht es im Leitbild der Einrichtung. Pfarrer Ketelhut: „Diesem Anspruch wollen wir auch in der Zukunft gerecht werden.“
Informationen zur ZukunftsWerkstatt 2010
Die ZukunftsWerkstatt 2010 bestand aus drei Projektphasen. In allen Bereichen gab es anhand eines Fragebogens die Erhebungsphase in kleinen Gruppen. Dabei wurden Fragen gestellt nach Arbeitswunsch, Arbeitsort, Arbeitszeiten, Wohn-„Traum“, Wohnort, Wohnform, Wohnraumgestaltung, Selbstbestimmung, Assistenz, Partnerschaft, Angehörige, Nachbarschaft, Freizeitwunsch, Hobbys, Bildung, Reisen, Vereinsaktivitäten, Freunde, Kirchengemeinde-Leben, Freiwilliges Engagement. 257 MitarbeiterInnen kamen aus dem Werkstattbereich, 25 aus dem Förder-und Betreuungsbereich, 14 aus der Seniorenbetreuung. 147 Personen leben bei Angehörigen, 97 im Wohnhaus und 52 in einer Außenwohngruppe.
Wissenschaftlich wurde das Projekt ZukunftsWerkstatt 2010 begleitet von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg unter Federführung von Professor Jo Jerg und Dr. Stephanie Goeke. Projektleiter bei der Beschützenden Werkstätte Heilbronn war Alfred Grimm, Bereichsleiter Arbeit und Integration Region Neckar. Aus allen Bereichen und Gremien an den sieben Standorten arbeiteten Personen mit. Werkstattrat, Heimbeiräte und Mitarbeitervertretung waren in das Projekt eingebunden.
Die ZukunftsWerkstatt wurde finanziell unterstützt von der Stiftung LebensWerkstatt der Beschützenden Werkstätte Heilbronn, der Paul Lechler Stiftung gGmbH, Ludwigsburg, sowie der Schunk GmbH & Co. KG, Lauffen.

Im Bild von links: Richard Brehm, Verwaltungsrat der Beschützenden Werkstätte, Rainer Hinzen, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, Hans-Christoph Ketelhut, Vorstand der Beschützenden Werkstätte
Fotoimpressionen von der Präsentationsveranstaltung. Fotos: Gerhard Schwinghammer





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