Zu Besuch im Cafe Bistro GenussWerkstatt
"Was die alles können"
Presseartikel, erschienen am 18.1.2011 in der Tageszeitung "Heilbronner Stimme"
Von Ulrike Bauer-Dörr
Heilbronn - Heute essen wir im Restaurant: Den Heilbronner Wartbergschülern geht dieser Satz ganz leicht über die Lippen. Seit November gehen sie zum Mittagessen nämlich aus: ins benachbarte Café Bistro der Beschützenden Werkstätte in der Rauchstraße.
Für die fast 90 Grund- und Werkrealschüler hat das Küchen- und Serviceteam diesmal Putengeschnetzeltes mit Reis gekocht. Kaum sind die Tische im Nebenraum gedeckt, fällt auch schon die erste hungrige Gruppe mit ihren Lehrern ein. Eine halbe Stunde später sind sie weg und alles wird in Windeseile für die nächste Klasse vorbereitet. "Es läuft super dort, den Kindern schmeckt"s", lobt Rektor Ludwig Müller. Er ist froh über die Kooperation mit der Beschützenden Werkstätte. In der Wartbergschule musste das Mittagessen bisher mangels Platz in einem früheren Klassenzimmer eingenommen werden.
Dass in der Genusswerkstatt überwiegend Menschen mit einer geistigen Behinderung arbeiten, fällt höchstens auf den zweiten Blick auf. Die jungen Leute strengen sich ungemein an und sind stolz darauf, Gastgeber in einem öffentlichen Restaurant zu sein. Es hat in den letzten Wochen viele Stammgäste aus der Wartberggegend gewonnen. Auch Bewohner des Mehrgenerationenhauses im selben Gebäude kommen zum Mittagessen, zum Vespern, auf eine Tasse Kaffee, ein Viertel Wein oder ein Bier vorbei.
"Die Kinder haben keinerlei Berührungsängste", antwortet Müller auf die Frage, ob es zwischen den Kindern und den behinderten Werkstattmitarbeitern klappt. Auch die anderen Gäste reagieren durchweg freundlich und mit Verständnis, wenn einmal irgendwas nicht schnell genug klappen sollte.
Zehn Arbeitsplätze
Zehn Arbeits- und fünf Praktikumsplätze sind im neuen Gastroprojekt eingerichtet worden, und es laufe sehr gut, bestätigt Hans-Christoph Ketelhut, Leiter und Vorstand der Behinderteneinrichtung mit Sitz in Böckingen. Anfangsschwierigkeiten seien überwunden, Routine ist eingekehrt. Sobald der begrünte Außenbereich im Frühjahr fertig ist, den die Stadtsiedlung gerade richtet, wird es entlang der Käferflugstraße weitere 60 Sitzplätze geben. Dann soll bei schönem Wetter auch abends geöffnet sein. Lesungen und andere Veranstaltungen plant Beate Haug-Karr ebenso, Projekt- und Bereichsleiterin für Aus- und Weiterbildung bei der Beschützenden Werkstätte.
Was noch fehlt, sei Laufkundschaft. Noch ist vielen Nachbarn und den Vorbeifahrenden nicht klar, was für ein gastronomisches Highlight sich hinter den braunen Mauern des Atriumhauses verbirgt. Die Speisekarte bietet für jede Tageszeit und jeden Hunger etwas, das Preisniveau ist mit Blick auf die Randlage im unteren Mittelfeld angesiedelt.
Die jungen Leute, die dort unter Küchenchef Peter Gebauer und Servicechef Volker Danzog ihre Koch-und Servicefähigkeiten erweitern, sind mit Leib und Seele dabei. "Es macht Spaß, hier zu arbeiten und die Gäste zu bedienen", versichern Doris Weitkus (28) und Michael Wahlen (22). Sie haben bisher in den Montage- und Verpackungsabteilungen der Werkstätte gearbeitet.
Weil einige Behinderte nicht gut lesen können, werden Abläufe und wichtige Infos über Plakate und Bilder erklärt, etwa, wie man sich die Hände wäscht. Auch hier gilt: Hygiene ist das oberste Gebot.
www.cafe-genusswerkstatt.de
Wollen auch Sie helfen?
Engagieren Sie sich für eine gute Sache.
Spenden helfen Jung und Alt, Groß und Klein. Mehr..
