„Exklusive Einblicke“ in Beschützende Werkstätte Kirchhausen
Einweihung des Sozialtraktes mit Kommunikationszentrum
Rudi Seizinger und Helmut Weinreuter kommen aus Leingarten. Sie sind begeistert: „So viel Platz und solch tolle Arbeitsbedingungen“. Die beiden müssen es wissen. Sie haben in der Beschützenden Werkstätte Heilbronn die Abteilung Papierverarbeitung geleitet, als diese noch in Böckingen war. Beim Tag der offenen Tür am Standort Kirchhausen treffen sie auf ehemalige Mitarbeiter mit Behinderung, die den Besuchern die Arbeitsmöglichkeiten in den Bereichen Konfektionierung, Verpackung, Logistik, Buchbinderei und Montage präsentieren. Renommierte Firmen aus der Region sind Auftraggeber, stellt man anhand der Produkte fest.
Tanja Meng, Mitarbeiterin in Kirchhauen, hat ein Gedicht zum Tag verfasst: „Heute feiern wir unser Fest, das vieles erwarten lässt.“ So ist es. An verschiedenen Verkaufsständen wurden Produkte aus dem Haus angeboten. Hans Kahlau vom Förderverein der Beschützenden Werkstätte animierte zum Würfelspiel. Kirchhausens Werkstattrat- Vorsitzender Sven Visser war in seinem Element. Er spielte in der im Wortsinne „bewegenden“ Aufführung mit, die Theaterpädagoge Robert Zapatka im Rahmen der Arbeitsbegleitenden Maßnahmen mit Menschen mit Behinderung inszeniert hatte. „Wer bin ich? Wer bist Du?“ hieß das Stück, das Formen der Begegnung, des Zueinanderfindens zum Inhalt hat. In einem anderen Raum stellte Visser die Arbeit des Werkstattrates vor.
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Seine Bilanz des Tages, der sehr viele Besucher nach Kirchhausen lockte: „Ich sehe überall glückliche Gesichter.“ Eine besondere Attraktion war am Tag der offenen Tür in Kirchhausen die Einweihung des Umbaus. Der neue Speisesaal liegt mitten in der Werkstätte, ist wie die Sanitärräume direkt aus allen Abteilungen erreichbar und dient damit auch als Kommunikationszentrum. Er kann als Kantine, Treffpunkt und Versammlungsraum genutzt werden. Standortleiter Henning Kollenda: „Der bisherige Speisesaal, die Küche, die Waschräume und die Toiletten entsprachen nicht mehr den Anforderungen der stetig wachsenden Mitarbeiterzahl.“ Die Einrichtungen waren beim Einzug Anfang 2003 auf 60 Mitarbeiter ausgelegt. Inzwischen wuchs die Belegschaft auf 86. Kollenda: „Es wurde sehr eng.“ Der Umbau ist jetzt auf 120 bis 150 Personen ausgerichtet. Damit hat die Werkstatt eine Perspektive auch für die Erweiterung der Arbeitsplätze. Der Werkstattrat hatte von Anfang an bei der Umbauplanung bis in kleinste praktische Details zum Beispiel bei der Sanitäreinrichtung mitgewirkt. Auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Sie ist ein Schwerpunkt der Arbeitsbegleitenden Maßnahmen in Kirchhausen.
Die Werkstatt ist mit farbenfrohen Kunstobjekten, die im Rahmen dieser Maßnahmen entstanden sind, ausgeschmückt: lebensgroße Selbstbildnisse in Acrylmalerei, aus Ton modellierte Köpfe, Hände und mehr. Auch die runden Kreise an der abgehängten Decke strahlen mit den BW-Farben grün (Verbund), hellblau (Bildung), dunkelblau (Arbeit) und orange (Wohnen) eine identitätsstiftende Freundlichkeit aus. Sie sollen verdeutlichen: „Wir gehören dazu.“ Die Farben fi nden sich auch im Eingangsbereich wieder. Kollenda: „Durch die neuen Räume haben die Mitarbeiter in Kirchhausen einen großen Zugewinn an Lebensqualität am Arbeitsplatz.“ Architekt Gerd Krummlauf vom Heilbronner Büro BKT sprach anerkennend vom „respektvollen Miteinander“ während der Bauphase.
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Immerhin war das „sehr interessante, sehr komplexe und sehr anspruchsvolle“ Bauwerk während dem laufenden Betrieb zu realisieren. Brigitte Kasiske, Vorsitzende der Gesamtangehörigen-Vertretung, war beeindruckt: „Was da entstanden ist, überzeugt.“ Pfarrer i.E. Hans-Christoph Ketelhut sprach von der „Werkstatt der Zukunft“ und bescheinigte: „Es ist gut geworden. Es ist ein Haus, in das wir gerne hineingehen. Es ist ein Haus, in dem wir gerne arbeiten. Es ist ein Haus, in dem wir auch miteinander reden, essen, lachen.“ Er dankte für die Unterstützung. Dazu gehört auch die Spendenaktion mit dem Motto „100 Stühle für Kirchhausen“.
Vier Unternehmen und 12 Einzelpersonen haben insgesamt rund 9.000 Euro gespendet. Darunter ist auch der Erlös aus dem Weihnachtsmarkt in Kirchhausen. Letztlich konnten 127 der insgesamt 150 neuen und sehr schönen Stühle aus Spendenmitteln angeschafft werden. Der besondere Dank galt der Firma Bürotechnik Lombacher GmbH aus Heilbronn, die allein etwas mehr als die Hälfte der Spenden eingebracht hatte. Aber auch die Firmen Amphenol Tuchel, Jung Electronic und Diem haben sich großzügig beteiligt. schw.
Gedicht von Tanja Meng
Der Tag der offenen Tür steht heute an.
Er zieht uns alle in seinen Bann.
Lange haben wir gewartet,
bis der Umbau endlich startet.
Im November ging es los.
Die Vorfreude war groß.
Der Architekt machte seine Pläne.
Es flogen viele Späne.
Der Boden wurde ausgewählt.
Der Speisesaal fertig gestellt.
Die Spiegel kamen an die Wand.
Heute geben wir es bekannt:
Es war sehr laut die letzte Zeit.
Nun steht alles bereit.
Heute feiern wir unser Fest,
das vieles erwarten lässt.
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Rudi Seizinger (links) und Helmut Weinreuter treffen in Kirchhausen ehemalige Mitarbeiter.
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„Verbindungen“ wurden hergestellt beim Tag der offenen Tür in der Beschützenden Werkstätte in Kirchhausen. Im Bild von links Architekt Gerd Krummlauf, BW-Vorstand Hans-Christoph Ketelhut , Fördervereinsvorsitzender Richard Brehm und Angehörigen-Vorsitzende Brigitte Kasiske.
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„Wer bin ich? Wer bist Du?“ Begegnungs-Theaterspiel beim Tag der offenen Tür in der Beschützenden Werkstätte in Kirchhausen.
Fotos: Gerhard Schwinghammer
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