Standpunkte

Rede von Pfarrer Hinzen zur Einweihung des Förder- und Betreuungsbereiches der Beschützenden Werkstätte Längelterstraße 193 am 6.6.2008

Nach gut 15 monatiger Bauzeit wurde hier ein ansprechendes Gebäude für 28 schwer- und mehrfachbehinderte Menschen erstellt, die im Rahmen einer Tagesstruktur fünf Tage in der Woche während der Arbeitszeit der Werkstätte betreut und gefördert werden.

Ich freue mich für sie, dass sie nun aus der Tagesstätte in der Heilbronner Lerchenstraße nach hierher umziehen konnten.

Leider zog sich der Prozess der Finanzierung dann doch recht lange hin. Zwar hatten wir nach einem zweijährigen Planungs- und Genehmigungsprozess schon 2003 die Baugenehmigung, konnten aber wegen der sehr späten Kostenzusagen erst 4 Jahre später mit dem Bau beginnen.

Bei der Planung haben wir versucht, den Charakter einer großen Einrichtung gar nicht erst aufkommen zu lassen, sondern möglichst die Gruppenräume so anzuordnen, dass möglichst kleine überschaubare Einheiten für die Gruppen, ja auch für einzelne Menschen bestehen. Die Kamm-Struktur sorgt dafür, dass diese Individualisierung bis hin in die Außenbereiche durchgehalten werden konnte und wir nicht einen großen Innenhof, sondern mehrere kleine, gruppenspezifische Atrien erhalten.

Ein weiteres Prinzip war, möglichst viel Licht hereinzuholen und dennoch Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und die Gemeinschaftsflächen möglichst auf ein notwendiges Mindestmaß zu reduzieren.

Farbe und Material spielt eine große Rolle in diesem Gebäude – ob unser Konzept aufgeht, ob und wie sich die Menschen hier wohlfühlen, das hängt aber am Ende davon ab, dass die Möglichkeiten, die das Gebäude bietet, auch von den Menschen angenommen und angeeignet werden. Ich wünsche Ihnen das sehr und hoffe, dass sie sich nach der Eingewöhnungszeit richtig wohl fühlen.

In diesem FuB Bereich werden Menschen gefördert und betreut, die einen sehr großen Unterstützungsbedarf haben, damit sie ihr Leben und ihren Alltag bewältigen können. Arbeit in der Werkstatt ist ihnen nicht möglich, auch wenn immer wieder einmal eine Heranführung an Arbeit versucht wird.
Die Leistung, die von den Angehörigen erbracht wird, die eben bis ins Alter hinein Versorgung und Betreuung zuhause übernehmen kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Die Woche hat 168 Stunden und davon übernehmen wir in der FuB etwa 38. Die restliche Zeit von 130 Stunden bleibt die Familie verantwortlich. Rund um die Uhr. Die Familien tun dies klaglos, sie leisten sehr, sehr viel und sie tun dies mit Liebe und Fürsorglichkeit.

Umso wichtiger ist es, dass das Angebot an solchen FuB Bereichen, die ja eben nicht vollstationäre Rundumversorgung mit entsprechend höheren Kosten bedeuten, frühzeitig geplant werden und rechtzeitig zur Verfügung stehen.
Hier in Stadt- und Landkreis Heilbronn sind wir dazu für meinen Geschmack schon wieder viel zu lange in langwierigen Bedarfs- und Planungsrunden befangen und wissen heute schon, dass wir mit der Einweihung dieses FuB Bereiches nur den allerdringendsten Bedarf abdecken können.

Um keine Familien allein zu lassen, um rechtzeitig ein ausreichendes Angebot zu haben müssten wir eigentlich jetzt schon das nächste Projekt im Bau haben. Da dies nicht der Fall ist, können wir jetzt schon allen Nachfragern nur Provisorien anbieten und eventuell in absehbarer Zeit gar nicht mehr aufnehmen.
Jetzt in der Verantwortung für die Eingliederungshilfe brauchen wir erst Recht die Unterstützung von Stadt und Landkreis Heilbronn. Diesmal im Blick auf den Bedarf der nächsten und nahen Zukunft, denn dieser FuB Bereich ist ein Ersatzbau, der nur ganz wenige neue und zusätzliche Plätze schafft, obwohl neuer und zusätzlicher Bedarf da ist. Wir sind hier im Gespräch mit der Sozialplanung, brauchen schnelle Entscheidungen, da wir sonst niemanden mehr aufnehmen können.

Bitte hören Sie meinen Appell, vor allem im Namen der betroffenen, engagierten Familien. Man darf die Menschen mit Behinderungen und die Angehörigen nicht deswegen im Stich lassen, weil man die Kosten für den notwendigen Ausbau dieses Unterstützungsangebotes scheut. Die Alternative ist entweder die wesentlich teurere stationäre Unterbringung oder die andauernde Be- Überlastung der betroffenen Familien.

Im Psalm 127 ist voller Weisheit und Glauben formuliert:
„Baut der Herr nicht das Haus, mühen sich umsonst, die daran bauen. Hütet der Herr nicht die Stadt, wacht vergebens, der sie behütet.“

R. Hinzen

Info: Beschützende Werkstätte weiht Förder- und Betreuungsbereich Heilbronn ein. Mehr...

Daten und Fakten: Neubau des „Förder- und Betreuungsbereiches“ der Beschützenden Werkstätte Heilbronn. Mehr...