Joachim Volk hat einen Vertrag mit Gitta Krautter geschlossen

Vom Betreuten zum Chef

Tagsüber arbeitet Joachim Volk in der Gartenbau-Abteilung der Beschützenden Werkstätte Heilbronn. Abends sitzt der 49-Jährige daheim in seiner Wohnung im Heilbronner Nordosten. Er kann trotz seiner seit Geburt bestehenden geistigen Behinderung alleine leben. Die große Fahne in seiner Wohnung zeigt seine Leidenschaft: Fußball mit dem VfB Stuttgart. Ansonsten ist er ein geselliger Mensch, der diverse Angebote interessiert annimmt: Regelmäßig geht er am Donnerstag zum Kegeln, zum gemeinsamen Kochen, zum Stammtisch. Am Wochenende werden Kontakte zur Familie gepflegt.

Elke „Chef“ Joachim Volk hilft mit, wenn Gitta Krautter bei ihm die Wohnung reinigt und die Wäsche richtetElke „Chef“ Joachim Volk hilft mit, wenn Gitta Krautter bei ihm die Wohnung reinigt und die Wäsche richtet.

Schmalzhaf ist seit über einem Jahr seine Bezugsbetreuerin. Im Rahmen der Offenen Angebote kommt sie zweimal in der Woche für drei Stunden, um mit Joachim Volk Dinge zu besprechen, die in seinem Alltag erledigt werden müssen. Behördengänge, Einkäufe und Freizeitgestaltung gehören beispielsweise dazu. Dass auch die Wohnung in Ordnung gehalten werden musste, nahm viel Zeit von den eigentlichen Aufgaben der Betreuerin weg. Der Weg zum gesetzlichen Betreuer und die gemeinsame Beratung brachten die ungewöhnliche, aber interessante Lösung: Joachim Volk wird Arbeitgeber.

Die Lösung: Er beschäftigt eine Putzfrau auf 400-Euro- Basis. Bald war sie nach mehreren Vorstellungsgesprächen gefunden. Bald zeigte sich, dass aus der Zusammenarbeit etwas werden kann. Immerhin geht es nicht nur um Sympathie, sondern auch um Vertrauen. Viele wollen keine fremden Menschen in ihrer Wohnung. Bei Joachim Volk ist das anders. Seit Mai kommt Gitta Krautter jeden Dienstagabend zwei Stunden. Sie kümmert sich um Küche, Bad und Wohn- Schlafraum, um den Staub und um die Wäsche. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Sie reden miteinander, während sie arbeitet. Er hilft mit. Am Ende ist die Wohnung sauber und Unterhaltung gibt es dazu. Volk ist sehr zufrieden: „Das macht sie gut.“

Die große Fahne in seiner Wohnung zeigt seine Leidenschaft: Fußball mit dem VfB Stuttgart.Die große Fahne in seiner Wohnung zeigt seine Leidenschaft: Fußball mit dem VfB Stuttgart.

Das interessante an dieser Lösung ist: Es wurde ein richtiger Arbeitsvertrag mit Rechten und Pfl ichten, angemessener Bezahlungs- und Urlaubsregelungen abgeschlossen. Das Arbeitsverhältnis ist bei der Minijobzentrale angemeldet. Der „Arbeitgeber“ zahlt seine Versicherungsanteile. Alles ist korrekt. Joachim Volk hat einen Vertrag mit Gitta Krautter geschlossen Vom Betreuten zum Chef So fühlt sich Gitta Krautter wohl bei ihrem „Arbeitgeber“. Und Joachim Volk weiß heute: „Das war eine gute Entscheidung.“ Auch das Betreuungsverhältnis ist besser geworden. Elke Schmalzhaf kann sich jetzt mehr ihren Aufgaben widmen. Für sie steht fest: „Diese Lösung ist beispielhaft für Andere.“