Das Konzept der Beschützenden Werkstätte für das Wohnen im Alter
Menschen brauchen mehr als Pflege
Die Beschützende Werkstätte Heilbronn ist angesichts der Veränderung der Altersstrukturen auf künftige Wohnkonzept gut eingestellt. Rainer Reibold, Leitung des Gesamtwohnbereiches, hat klare Vorstellungen. Oberstes Prinzip: Keine Qualitätsveränderung zum Nachteil der Menschen mit geistiger Behinderung. An erster Stelle steht für ihn die Eingliederungshilfe: „Diese Menschen brauchen mehr als Pflege.“ Darauf sind und werden die Wohnbereiche ausgerichtet.
Reibold sieht voraus, dass sich die Alterstruktur im Wohnbereich deutlich verändern wird. Mehr Bewohner als bisher werden künftig über 50 oder über 60 Jahre alt sein. „Das hat sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet“, hat er beobachtet. Deshalb hat der Bereich Wohnen ein Konzept entwickelt. Das Grundprinzip: „Die älteren Menschen mit geistiger Behinderung behalten ihr Zuhause in den Häusern, in denen sie jetzt schon leben.“ In allen Wohnhäusern, in denen Menschen in der betreffenden Altersgruppe sind, werden Tagesstrukturen mit entsprechender Betreuung aufgebaut, mit denen man intensiv auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen kann. Reibold: „Wir werden sicherstellen, dass ältere Menschen mit geistiger Behinderung bei uns sehr gut betreut werden." Die Beschüzende Werkstätte Heilbronn ist in diesem Bereich heute schon aktiv.
Für behinderte Menschen gibt es hier wie in Crailsheim Betreutes Wohnen, Begleitetes Wohnen in Familien, Familienunterstützende Dienste, Freizeitangebote und Tagesangebote speziell für Senioren. Für Reibold ist das im Sinne der Sozialgesetzgebung, die den Eingliederungsgedanken in den Vordergrund stellt. Der Wohnbereich Schwäbisch Hall wird ab 2009 entsprechend ausgebaut. Dort entstehen neue Räume für die Tagesstruktur-Angebote. Eine besondere Herausforderung entsteht, wenn zum Alter und zur geistigen Behinderung noch der körperliche Abbau kommt.
Dann stellt sich die Pflegethematik. Schon vor vielen
Jahren wurde bei der Beschützenden Werkstätte zunächst
in Heilbronn, dann auch in Crailsheim mit dem Aufbau des
Pflegeschwerpunktes neben der Tagesstruktur begonnen.
Reibold: „Wir haben Erfahrungen gesammelt.“ Auch der Pflegeschwerpunkt orientiert sich am individuellen Bedarf bis hin
zur Sterbebegleitung. Da Pflege personalintensiver ist, ist im
besonderen Einzelfall ein Umzug in das geeignete Wohnhaus
sinnvoll. Für Reibold gilt: „Die Menschen sollen sich bei uns
bis zum Lebensende wohl fühlen.“
„Menschen mit geistiger Behinderung haben nach dem Sozialgesetzbuch ein Recht auf Eingliederungshilfe."
Das zukunftsorientierte Konzept hat auch einen politischen Hintergrund. Dass Kostenträger momentan die Diskussion anregen, dass ältere Menschen am besten in Pflegeheimen unterzubringen sind, versteht er: „Dort tritt dann die Pflegekasse mit ihren Leistungen ein.“ Andererseits gibt es klare rechtliche Vorgaben: „Menschen mit geistiger Behinderung haben nach dem Sozialgesetzbuch ein Recht auf Eingliederungshilfe.“ Deshalb hat sie die Pflegeversicherung ausgenommen. Das Altenpflegeheim ist für Reibold auch deshalb „keine sinnvolle Alternative, weil Menschen mit geistiger Behinderung nicht mit Pflegebedürftigen vergleichbar sind". Deshalb sind sie nach dem Recht nur im ganz speziellen Einzelfall verlegbar, wenn sie keine Eingliederungsleistung mehr erhalten können. Dazu kommt, dass in Pflegeheimen die Fachpersonal-Voraussetzungen ganz anders sind als in der Beschützenden Werkstätte. In Heimen ist das Personal für die reine Pflege geeignet. Menschen mit geistiger Behinderung brauchen aber darüber hinaus Betreuung. „Wir wollen den Status der Menschen mit geistiger Behinderung auch im Alter erhalten“, gibt Rainer Reibold die Richtung vor. Deshalb wird das Konzept des Bereichs Wohnen systematisch fortentwickelt und umgesetzt – im Interesse dieser Menschen.

Mitarbeiterteam Heilbronn:
v.li.: Birgit Heinrich, Harold Wiebe, Sabine Gehring,
Dorothea Wittgen, Hausleitung

Mitarbeiterteam Schwäbisch Hall:
v.li.: Karin Uebel, Doris Mößner, Stephan Braun, Hausleitung

Mitarbeiterteam Crailsheim: hintere Reihe v.li.:
Silke Hofmann-Braun, Doris Wagner, Thomas Brüger,
Roland Holzner; vordere Reihe v.li.: Cordula Breuer,
Ilse Hirsch, Harald Bruder, Hausleitung
